Marc Henshall,

Funkkanäle: Fachjargon einfach erklärt

Der meist genutzte Funkmikrofon-Fachjargon einfach erklärt...

Da die Funkmikrofon-Technologie immer noch relativ jung ist, wurden bisher bestimmte Terminologien aus anderen Bereichen der Audio-Branche zur Beschreibung der Funktionsweise herangezogen. Leider lassen sich diese Begrifflichkeiten nicht immer problemlos übertragen. Das Wort „Kanal“ beispielsweise – das zwar in anderen Kontexten recht einfach zu verstehen ist – hat im Rahmen der Drahtlostechnik drei verschiedene Bedeutungen, was verständlicherweise zu Verwirrungen führen kann.

„Auf welchem Kanal und in welcher Gruppe läuft dieser Kanal?“ oder „Wie viele Kanäle kann ich in einem TV-Kanal unterbringen?“ sind beides vollkommen berechtigte Fragen, und jeder, der mit Funkmikrofonen und In-Ear Monitoring Systemen arbeitet, wird sie problemlos verstehen. Aber was ist mit uns Anderen? Hier kommt die Erklärung...

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Was ist denn überhaupt ein Kanal?

Einfach ausgedrückt ist ein Kanal ein Mittel dazu, etwas in Richtung eines bestimmten Gerätes oder Zielobjekts zu lenken. Oder, in anderen Worten, ein Mittel, mit dem man etwas von einem Punkt an einen anderen bewegen kann (eventuell über einen bestimmten Weg oder ein bestimmtes Medium). Es beschreibt sowohl ein komplettes System – wie ein Funkmikrofon und einen Empfänger – als auch die Strecke zwischen den beiden Dingen (d.h. den Frequenzbereich, den das Komplettsystem zur Datenübertragung nutzt).

Die folgenden Beispiele beschreiben Drahtlos-„Kanäle“ im jeweiligen Kontext:

1. „Ein Drahtloskanal“

Die Kombination eines Funksenders mit einem Empfänger entspricht einem einzelnen kabellosen (auch drahtlosen) Kanal. Genauso würden 10 Sender und 10 Empfänger insgesamt 10 Kanäle ergeben. Komplizierter wird es allerdings, wenn Empfangsgeräte hinzukommen, die mehr als einen Kanal gleichzeitig empfangen können. Bei solchen Geräten handelt es sich typischerweise um 2- oder 4-Kanal-Empfänger. Beispielsweise zählen wir bei 4 Sendern und einem Quad-Empfänger bereits 4 kabellose Kanäle. Und 8 Sender, 1 Quad-Empfänger und 2 Dual-Empfänger ergeben zusammen 8 Kanäle.

Dieses Prinzip gilt genauso bei In-Ear Monitoring Systemen, wobei hier die Sender stationär sind und die Empfänger am Körper getragen werden. In diesem Fall sind die Sender entweder in ein- oder zweikanaliger Ausführung erhältlich. 10 Dual-Sender und 20 Taschenempfänger ergeben also 20 Drahtloskanäle.

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2. TV-Kanäle

Die meisten Mikrofone nutzen das UHF-Funkspektrum. Eine Erläuterung, warum wir gerade diesen Teil des Spektrums nutzen, ginge über den Rahmen dieser Abhandlung hinaus. Was uns jedoch interessiert, sind die Bänder IV und V, die den Frequenzbereich 470-862 MHz abdecken. Von wem oder was dieser Bereich des Funkspektrums genutzt wird, lässt sich besser verstehen, wenn man sich vor Augen führt, dass er in 8 MHz breite Blöcke unterteilt wurde, die dann verschiedenen Nutzern zugewiesen werden können. Es ist wie wenn man ein ganzes Baguette aufschneiden und dessen Scheiben dann jeweils mit dem bevorzugten Aufstrich oder Käse bestreichen würde. Mmm, Käse ...

Hauptnutzer dieses Frequenzspektrums waren die Fernsehsender, wobei jede 8 MHz breite „Scheibe“ eine TV-Kanalnummer erhielt und anfangs für ein einzelnes analoges Programm verwendet wurde. So wurde beispielsweise BBC1 in London auf TV-Kanal 24 (494-502 MHz) ausgestrahlt. Im modernen Digitalfernsehen ist es möglich, dass TV-Kanal 24 (494-502 MHz) jetzt mehr Sender als nur BBC1 überträgt.

Schaltbandbreite / Frequenzbereich

Frequenzbereich oder Schaltbandbreite bezeichnet den Bereich der Frequenzen, auf die ein Funkmikrofonsystem eingestellt werden kann. Es kann ein kleiner Abschnitt mit einer Breite von 24 MHz bzw. 3 TV-Kanälen sein (also 3 TV-Kanäle à 8 MHz = 24 MHz), oder sogar bis zu 64 MHz mit 8 TV-Kanälen.

3. Gruppen und Kanäle

Funkmikrofone sollten nicht wahllos auf willkürlich gewählte Frequenzen eingestellt werden, da dies zu Interferenzen untereinander führen kann – wahrlich keine ideale Situation. Daher werden Gruppen und Kanäle von Shure vorprogrammiert. Ein Kanal in einer Gruppe bezieht sich auf eine feste Frequenz. Für Gruppe 1, Kanal 1 könnte dies z. B. 606,700 MHz sein. Gruppe 1, Kanal 2 könnte auf 607,175 MHz liegen.

Das Gute daran ist: Mögliche externe Interferenzen einmal außer Acht gelassen, sind alle Kanäle innerhalb einer Gruppe miteinander kompatibel. Sofern Sie keine Software zur Frequenzkoordination nutzen, verwenden Sie immer verschiedene Kanäle derselben Gruppe.

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Zusammengefasst

Dies ist der Punkt, an dem es kompliziert werden kann. Üblicherweise deckt Gruppe 1 immer die gesamte nutzbare Bandbreite des Funkmikrofonsystems ab. Dies ist allerdings nicht immer wünschenswert, da Sie vielleicht nur die Genehmigung zum Betrieb von Funkmikrofonen innerhalb eines bestimmten TV-Kanals haben.

Manche Gruppen sind allein auf einen bestimmten TV-Kanal beschränkt. So kann es z. B. sein, dass die Gruppen 6, 7 und 8 nur einen einzigen TV-Kanal abdecken. Wenn Sie in diesem Fall einzelne Funkmikrofon-Systeme derselben Serie auf die Kanäle der Gruppe 6 einstellen, könnten Sie 17 (Drahtlosmikrofon)-Kanäle auf (TV)-Kanal 38 betreiben.

Ganz einfach, oder?! – Rückblickend ist die Belegung eines Wortes mit drei verschiedenen Bedeutungen, die sich nur kontextabhängig entschlüsseln lassen, keine gute Entscheidung. Ich hoffe aber, dass dieser Leitfaden ein wenig Licht ins Dunkel bringen konnte… Falls nicht, „kanalisieren“ Sie Ihre Fragen zu uns.

Mehr Infos

Falls Sie dem Thema Drahtlossysteme etwas ratlos gegenüberstehen, so sind Sie damit nicht allein. Um Funkmikrofone und In-Ear Monitore in den Griff zu bekommen, müssen wir uns mit ein paar zusätzlichen Aspekten jenseits der Grundprinzipien herkömmlicher kabelgebundener Audiotechnik vertraut machen. Dazu kommen die laufenden Änderungen bei den Funkfrequenzen, die unsere Branche betreffen – es sei also jedem verziehen, der sich fragt, wie sich eine moderne Produktion denn überhaupt erfolgreich umsetzen lässt. Um den Nutzern der Drahtlostechnik dabei zu helfen, ihr System besser zu verstehen und effektiver zu betreiben, bieten wir regelmäßig ein „Wireless Mastered“ Seminar zu diesem Thema an.

Wireless Mastered vermittelt einen detaillierten Einblick in die HF-Technik und bietet praktische Übungen mit den branchenführenden Drahtlosprodukten von Shure. Die Termine künftiger Seminare in Ihrer Nähe erfahren Sie auf sai.shure.de.

Über den Autor

Marc Henshall

Marc forms part of our Pro Audio team at Shure UK and specialises in Digital Marketing. He also holds a BSc First Class Hons Degree in Music Technology. When not at work he enjoys playing the guitar, producing music, and dabbling in DIY (preferably with a good craft beer or two).