Wissenswertes über das VHF Frequenzband 174 MHz - 230 MHz

Wissenswertes über das VHF Frequenzband 174 MHz - 230 MHz

Die Abkürzung VHF steht für „Very High Frequency“, früher auch schon mal als „Ultrakurzwelle“ bezeichnet. Gemeint ist damit das Frequenzband zwischen 30 MHz und 300 MHz. In der Veranstaltungstechnik ist hieraus insbesondere der Bereich von 174 MHz – 230 MHz interessant, darüber und darunter tummeln sich vielerlei zivile, aber auch militärische Nutzer (Seefunk, Flugfunk, Satelliten und verschiedene Funkrufanlagen).

Momentan scheint es eine Art Revival bei VHF zu geben – schwindende Spektren im UHF-Bereich und ein anfänglicher Mangel an Alternativen im Gigahertzbereich haben das Interesse wieder auf die alten VHF-Frequenzen gelenkt. Als zusätzlichen Anreiz mag man hier die aktuelle Rechtssicherheit werten, denn VHF-Systeme mit einer Leistung bis zu 50 mWatt sind nach aktueller Rechtsprechung bis Ende 2025 allgemein zugeteilt und können so anmeldefrei und mobil genutzt werden – eine Beschränkung auf den Einsatzort oder geschlossene Räume fällt also ebenso weg.

Aber bei genauerer Betrachtung des VHF-Bandes entdeckt man noch mehr Vorteile: viele der ehemaligen Störenfriede rund um den Bereich von 174 – 230 MHz sind inzwischen verschwunden oder verzichten inzwischen auf die Nutzung dieser Bänder. Das schafft Raum und Übertragungssicherheit durch größere Sicherheitsabstände. Darüber hinaus vermag die moderne Technik durch moderne und effektive Filter, das VHF-Band heute deutlich effektiver und dichter zu nutzen, als es noch vor 30 Jahren der Fall war. Heute lassen sich also deutlich mehr Strecken in deutlich weniger Spektrum verlässlich und betriebssicher unterbringen.

Shure QLX-D und ULX-D auch im VHF Frequenzband V51 erhältlich

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Die aktuelle Frequenzlage

Die aktuelle Frequenzlage

Seit geraumer Zeit herrscht viel Bewegung rund um das Thema „Drahtlose Übertragung in der Veranstaltungstechnik“. Immer mehr Spektrum wird von Internet- und Mobilfunkanbietern gefordert, gleichzeitig ist aber auch der Kanalbedarf an drahtlosen Produktionsmitteln immer größer.

Nach der „Digitalen Dividende I“ mit dem Verkauf des Frequenzbandes 790 – 862 MHz steht den Nutzern nun die „Digitale Dividende II“ ins Haus – hier geht es um den Frequenzbereich 710 – 790 MHz. Aktuell stellt sich die Lage wie folgt dar:

Der Bereich 790 – 862 MHz durfte bis zum 31.12.2015 für Drahtlosanlagen weiterhin uneingeschränkt verkauft und betrieben werden. Seit dem 01.01.2016 ist der Betrieb untersagt.

Der Bereich 710 – 790 MHz, der nach der „Digitalen Dividende I“ für professionelle Funkanwendungen vorgesehen wurde, konnte von den Betreibern noch bis zum 31.12.2016 uneingeschränkt verwendet werden. Seither darf er verwendet werden, sofern keine Störungen durch LTE auftreten. Ob die Duplexlücke zwischen 733 – 758 MHz allgemein zugeteilt wird, ist noch nicht entschieden, darf aber aktuell so auch nach 2016 verwendet werden.

Der ISM- oder EU-weit harmonisierte Bereich 863 – 865 MHz ist von all dem nicht betroffen und darf auch nach dem 31.12.2015 uneingeschränkt verwendet werden. Jedoch kann es vorkommen, dass es durch den Ausbau des Drahtlosinternets zu Störungen bis hin zum Ausfall der Drahtlossysteme kommen kann.

Das Frequenzband 694 – 733 MHz wird ab 2017 zum Downlink und 758 – 788 MHz zum Uplink für LTE fällt also für den Betrieb von Funkanlagen weg.

Aktuell werden weiterhin Funkanlagen im Bereich 490 – 694 MHz für den Betrieb von PMSE (Program Making and Special Events) zugelassen

(Quelle: Musikhaus Thomann: https://www.thomann.de/de/onlineexpert_page_funkmikrofone_informationen_zu_frequenzzuteilungen.html)

Alternative Frequenzbereiche sind gefragt

Alternative Frequenzbereiche sind gefragt

Alternativen zum UHF-Bereich sind gefragt – und durchaus auch verfügbar. Eine Option besteht in der Flucht nach vorne – also in den Gigahertzbereich, dahin, wo bislang fast ausschließlich WLAN, Pager oder andere Signale beheimatet waren. 1G8 oder 2G4 bezeichnet die Bereiche zwischen 1,785 und 1,805 GHz, respektive den Bereich rund um 2,4 GHz. Beide Bereiche sind Anmelde- und Gebührenfrei, zumindest nach aktuellem Stand.

Immer stärker und dichter werdende WLAN-Netze lassen jedoch befürchten, dass es auch in diesen Bereichen über kurz oder lang zu immer größeren Problemen kommen dürfte – in wie weit das den professionellen Einsatz beeinträchtigt, wird die Zukunft zeigen.

Nicht neu, aber bewährt ist eine weitere Alternative, die aktuell immer stärkere Beachtung findet: der VHF-Bereich. Neben den bereits unter „Wissenswertes“ erwähnten Vorteilen bietet das neue alte Band auch noch einen weiteren, beachtlichen Vorteil, nämlich die Rechtssicherheit: Mit der Verfügung Vfg 59/2015 hat die Bundesnetzagentur den Betrieb von VHF-Drahtlosstrecken wieder freigegeben.

Das bedeutet, VHF Anlagen mit bis zu 50 mW Sendeleistung können bis Ende 2025 anmelde- und gebührenfrei verwendet werden!

Das Comeback von VHF

Das Comeback von VHF

Mit dem immer weiter steigenden Bedarf an drahtlosen Produktionsmitteln und dem immer knapper werdenden Spektrum kommen beachtliche Aufgaben und Probleme auf die Hersteller, Vertriebe und Nutzer der Drahtlostechnik zu. Während der Branchenverband Bitcom 2010 im Rahmen der „Digitalen Dividende I“ noch von „UHF als praktisch ungenutztem Band“ sprach, werden die Auswirkungen auf die professionelle Eventindustrie spätestens mit der „Digitalen Dividende II“ immer deutlicher – und sind nicht mehr zu leugnen. Es wird eng! Große Sportereignisse wie Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften erfordern leicht 100 oder mehr verfügbare, freie Frequenzen zu einem Zeitpunkt an einem Ort.

So zum Beispiel beim Champions League Finale 2005 in Istanbul, wo 200 drahtlose Mikrofone und rund 60 In-Ear-Monitoring Empfänger zu koordinieren waren. Weltweit oder europaweit gebuchte Tourneeproduktionen kommen zwar in aller Regel mit ein paar weniger Strecken aus, sind dafür aber auf eine störungs- und problemfreie Verfügbarkeit an allen Spielorten angewiesen. Hierzu das Beispiel ESC 2009 in Moskau – auf Produktionsseite waren 56 drahtlose Sender, 16 drahtlose In-Ear-Monitoring Systeme im Einsatz, TV- und Rundfunkanstalten beanspruchten für EB-Teams weitere rund 100 Strecken. Bereits ein Umzug in ein anderes Land oder von Europa nach Nordamerika stellt die Übertragungstechnik bei Tourneeproduktionen da schnell auf eine unschöne Probe: was in Europa verlässlich funktioniert, muss keinesfalls auch in Nordamerika oder sonst wo auf dem Globus ebenfalls funktionieren, nicht einmal zwischen Deutschland und Spanien oder Frankreich gibt es länderübergreifende Zellen oder Bereiche, in denen Drahtlostechnik ohne Änderungen im Setup verlässlich betrieben werden kann.

In einem globalen Zeitalter, wo Tourneeproduktionen innerhalb eines Legs oder Runs mitunter mehrmals Landesgrenzen überschreiten ein eigentlich untragbarer Zustand. Die zunehmende Unsicherheit trägt ihren Teil ebenso bei – eine Auswahl oder Kaufentscheidung, die heute auf Grund der geltenden Verordnungen noch sinnvoll erscheint, kann in Kürze obsolet sein – man erinnere sich an den Run auf den UHF-Bereich von 710 – 790 MHz, der nach der Digitalen Dividende I (2010) für professionelle Anwender freigegeben wurde. Bereits heute, nur sieben Jahre später, ist auch dieser Bereich nur noch eingeschränkt nutzbar und fällt auf absehbare Zeit ebenfalls zu Gunsten der Mobilfunk- und Internetanbieter weg.

Wer also nicht aufs Kabel zurückwill – was im modernen Veranstaltungsbusiness definitiv nur eine sehr eingeschränkte Alternative ist – der wird sich auf neue Wege besinnen müssen und kommt damit vermutlich auch an einem alten Bekannten nicht mehr vorbei: dem VHF-Band

Kurzer Blick zurück

Kurzer Blick zurück

In den 1980er Jahren und bis Anfang der 90er waren VHF-Systeme noch die einzige, verfügbare Technologie zur Übertragung. Deutlich zu erkennen waren solche Systeme in der Regel an den kleinen, aber stets sichtbaren Stummelantennen an den Handsendern oder an den baumelnden Drahtantennen der Taschensender – es sei denn, kreative Ideen der Bühnecrew (siehe „Kuriositäten“) ergaben eine optisch gefälligere Lösung. Da VHF-Technik zu Anfang noch ausgesprochen hochpreisig und mangels funktionierender Batterielösungen und dem hohen Leistungsbedarf der Strecken auch nicht uneingeschränkt betriebssicher war, blieb diese Übertragungstechnik vornehmlich den Rundfunkanstalten und Kulturträgern vorbehalten. Genehmigungen zum Betrieb erhielt man in der Regel nur orts- oder zeitgebunden, feste Häuser bildeten hier eine Ausnahme und es wurde meist unbürokratischer zugeteilt.

Die Situation änderte sich mit den ersten, erschwinglichen UHF-Systemen. Funk war plötzlich auch abseits der TV-Studios und Opernhäuser realisierbar, kleinere Antennen, kompaktere Technik, geringerer Strombedarf und langlebigere Batterien eröffneten plötzlich drahtlose Technik für einen deutlich breiteren Anwenderkreis. Kurz: was den Profis bislang vorbehalten war, war jetzt auch Amateuren zugänglich.

Der Boom währte rund 20 Jahre und machte UHF praktisch unabdingbar für den modernen Show- und Eventsektor.

Kurioses über VHF

Kurioses über VHF

Andrew Lloyd Webbers „Cats“
Andrew Lloyd Webbers „Cats“

Die Wellenlänge der für Musiker relevanten VHF-Signale liegt bei rund 1,7 – 2,3 Metern – damit verbunden sind sowohl Vor-, als auch Nachteile für die Übertragung. Der wohl größte Nachteil bei der VHF-Übertragung sind die vergleichsweise lange Antennen an Sendern und Empfängern – ein sogenannter λ/4 – Strahler wäre immerhin gut 40 – 60 cm lang. Was bei Empfängern noch recht problemlos zu realisieren ist, wird bei Hand- oder Taschensendern schon schwieriger (mehr dazu bei den „Kuriositäten“).

Nicht verschwiegen werden soll aber auch ein großer Vorteil des VHF-Bandes: durch die große Wellenlänge sind die Übertragungseigenschaften mitunter denen von UHF-Systemen überlegen. Die recht „langen Wellen“ umschiffen Hindernisse innerhalb der Übertragungswege vergleichsweise leichter als kürzere UHF-Wellen. Als Faustregel mag gelten, dass alles, was räumlich „kürzer“ als die Welle ist, einfach umlaufen wird.

Kaum ein modernes Musical kommt ohne zahllose Funkstrecken für die Akteure aus – so auch Andrew Lloyd Webbers „Cats“ seit der Premiere 1980. Damals waren VHF-Systeme das einzig verfügbare Mittel zur Übertragung und die notwendigen, langen Antennen wurden von den Dressern und der Kostümabteilung ganz galant und unsichtbar in den Schwänzen der Katzenkostüme untergebracht.

Hartnäckig hält sich auch die Legende, dass der berühmte Schulranzen von Angus Young nur deshalb zum Bühnenauftritt des Ausnahmegitarristen gehört, weil auch er ein Problem mit den Abmessungen seines Gitarrensenders hatte – eine lange Antenne hätte ihn bei der Show nur behindert, daher baute der Gitarrentechniker von AC/DC den Sender direkt in den zur Schuluniform passenden Tornister.

Die Frage nach der Optik?

Die Frage nach der Optik?

Gibt es also in Zukunft wieder mehr Tornister? Oder in Kostüme eingenähte Antennen für drahtlose Sendemittel (siehe „Kurioses“)? Oder ist auch da der Stand der Technik inzwischen ein anderer? Definitiv – denn inzwischen sind auch VHF-Strecken nicht mehr auf Sender oder Empfänger in ein bis zwei Metern Länge angewiesen. Die Strahler werden kompakter, lassen sich in kompakte Gehäuse integrieren und erlauben so Bauformen, wie wir sie in den letzten 30 Jahren gewohnt waren. Auf absehbare Zeit werden also auch hier die Unterschiede zwischen den bislang gewohnten UHF-Systemen und modernen VHF-Systemen immer mehr verschwimmen.

Die Zukunft

Die Zukunft

Nachdem der Kanalhunger moderner Produktionen aktuell noch immer steigt und sich die Frequenzlandschaft zurzeit weiterhin unübersichtlich präsentiert bleibt es tatsächlich spannend. Sicherlich wird es aber in den kommenden Jahren nicht mehr bei reinen UHF-Systemen bleiben können. Schaltbandbreiten, verfügbare Spektren und die anstehende, neue Ordnung des Spektrums sollten Anlass sein, über bereits heute verfügbare Alternativen nachzudenken. VHF entwickelt sich dabei bereits zum zweiten Mal zur Wahl der Profis und bietet nicht nur in naher Zukunft eine sichere Alternative. 

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