Marc Henshall,

Die Shure Unidyne Story

Goodbye Feedback

Beim Shure Unidyne Mikrofon handelt es sich zweifellos um eine Ikone der Musikgeschichte. Aber wie kam es überhaupt zu dieser Ikone? Es begann alles im Jahr 1937 mit der Idee von Shure Ingenieur Ben Bauer, das erste Unidyne Mikrofon zu entwickeln. Als Treiber der Idee entwickelte er ein Konzept, durch das die Herstellung eines unidirektionalen Mikrofons mit einem einzigen dynamischen Element (Membran) möglich werden sollte. Vor der Unidyne Technologie, wurde für die Herstellung von direktionalen Mikrofonen auf die Verwendung einer Kugelcharakteristik in Kombination mit einer bidirektionalen Richtcharakteristik (Acht) in einem Gehäuse, gesetzt. Mit dem zusammenmischen der Ausgangssignale beider Kapseln im Verhältnis 1:1, war das Ergebnis ähnlich einer Nierencharakteristik. Die ersten Zwei-Membran-Mikrofone hatten viele Nachteile. Zum einen waren sie sehr groß und unhandlich, zum anderen war die Performance mangelhaft. Da die omnidirektionalen und die bidirektionalen Mikrofonkapseln nicht denselben Übertragungsbereich aufwiesen und an unterschiedlichen Stellen im Gehäuse angebracht wurden, war es schwierig den daraus resultierenden kombinierten Übertragungsbereich mit der inkonsistenten Richtcharakteristik zu kontrollieren.

Das Konzept der Zwei-Membraner war alles andere als perfekt, aber eben auch besser als gar nichts im Kampf gegen die unerwünschten Rückkopplungen oder Nebengeräusche. Ben Bauer erkannte, dass der beste Weg, um diese Nachteile zu beseitigen, die Verwendung von nur einer Mikrofonkapsel war. Er begann mit der Untersuchung der anwendbaren Physik. Er wusste, wenn nur eine Membran im vorderen Bereich der Kapsel angebracht werden würde, so wäre das Ergebnis eine omnidirektionale Richtcharakteristik (Kugel). Im Gegensatz dazu, nimmt ein bidirektionales Mikrofon den Klang von zwei Seiten – Vorder- und Rückseite – auf. Bauer schlussfolgerte daraus, dass er, wenn er es schaffen würde die Rückseite des Mikrofonelements abzublocken, theoretisch eine Richtcharakteristik erzeugen könnte, die zwischen omnidirektional und bidirektional liegen würde, was dann einer Herzform oder auch Nierenform entspricht. So machte er sich daran, diese hypothetische Kapsel zu erstellen und entwickelte dabei das, was Shure später als "Unidyne" bezeichnete.

unidyne

Nach Abschluss der Entwicklungsarbeiten, war Bauer`s Unidyne Konzept so konstruiert, dass das Mikrofon mehrere Öffnungen auf der Vorderseite und an den Seiten zeigte und somit die Aufnahme von Schallwellen auf beiden Seiten der Membran ermöglichte. Die Schallwellen, welche die Membran von Innen (über die Seitenöffnungen) erreichen, haben einen längeren Weg zurückzulegen, was zu einer (zeitlichen) Verzögerung vom Schalleingang über die Seiten und dem Schalleingang von Vorne führt. Durch die veränderbaren akustischen Widerstände an den Seiteneingängen, konnte Bauer verschiedene Richtcharakteristiken wie die Niere, die Superniere oder die Hyper-Niere mit nur einer Kapsel abbilden. So wurde das erste wirkliche unidirektionale dynamische Mikrofon Wirklichkeit – Unidyne.

Die Theorien von Bauer bewahrheiteten sich, die Unidyne Kapsel war berechenbarer und leichter zu handhaben als seine Vorgänger. Es bot eine unglaublich neue Möglichkeit für die Kontrolle der Rückkopplung und Reduzierung der Aufnahme von Umgebungsgeräuschen. Außerdem war das Mikrofon im Vergleich zu anderen, ähnlichen Mikrofonen viel kleiner. Das Unidyne war seinerzeit das Mikrofon mit der besten Klangqualität und setzte einen neuen Standard für qualitativ hochwertige Aufnahmen, kombiniert mit der Minimierung ungewollter Nebengeräusche. In der Zeit von 1939 bis 1946 blieb das Unidyne weitgehend unverändert. Erst 1951 kam das neue "kleine Unidyne" Mikrofon (mit der Unidyne II Kapsel), mit verbesserten Eigenschaften, welche das ursprüngliche und erste Unidyne erfolgreich gemacht hatten, auf den Markt. Wie der Name schon sagt, ist das "kleine Unidyne" leichter und kompakter als das Original. Die Unidyne III Mikrofonkapsel kam im Jahr 1960 mit dem Mikrofon 545 auf den Markt. Shure Ingenieur Ernie Seeler war verantwortlich für die (Weiter-) Entwicklung der Unidyne-Technologie und der Entwicklung von Unidyne III.

Das Design brachte wesentliche Veränderungen in der Unidyne-Plattform mit sich. Es wurde ein höchst durchdachter Erschütterungsabsorber entwickelt, der hinsichtlich der Reduzierung von Griffgeräuschen, der Beste seiner Klasse am Markt war. Bei Erschütterungen pumpt ein Kolben Luft in eine Kammer hinter der Membran. Der Luftdruck auf die Membran wirkt der eigentlichen Membranbewegung durch die Vibration entgegen. Das Ergebnis: maximale Isolation von sämtlichen mechanischen Vibrationen. Eigentlich ist dieser luftgefederte Erschütterungsabsorber eine einfache Konstruktion, aber die Entwicklung erforderte einen solch enormen Aufwand, dass es anderen Mikrofonherstellern nie wirklich möglich war etwas Ähnliches nachzubilden. Hunderte Seiten, gefüllt mit Formeln höherer Mathematik, haben jeden Aspekt der Kapsel berechnet; von der Membranresonanz, über das Kapselgewicht, bis hin zu Widerstandsfähigkeit, Nachgiebigkeit, Luftkompressionen, Geometrie und Weglänge der Schallwellen im Inneren der Mikrofonkapsel. Alle diese Eigenschaften stehen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander und beeinflussen in ihrer Gesamtheit nicht nur den Übertragungsbereich und die Richtcharakteristik der Mikrofone, sondern auch die Performance des Erschütterungsabsorbers.

Unidyne story 2_sm57

1965 bildete die Unidyne III Kapsel und das schlanke Design des 545 die Grundlage für das SM57 Mikrofon, das erste Produkt der legendären SM-Reihe. Seeler‘s Erschütterungsabsorber im Unidyne III Design eröffnete durch den handlichen Gebrauch dynamischer Mikrofone überragende Möglichkeiten für eine neue Generation der Musik und des Gesangs. Bis heute bleibt ihre Performance unübertroffen.

Über den Autoren

Marc Henshall

Marc forms part of our Pro Audio team at Shure UK and specialises in Digital Marketing. He also holds a BSc First Class Hons Degree in Music Technology. When not at work he enjoys playing the guitar, producing music, and dabbling in DIY (preferably with a good craft beer or two).