Mehr Schein als Sein: Wenn der Klang im Konferenzraum leidet...

Gute Architektur sollte sowohl Stil als auch Substanz verkörpern. Wenn sich aber im Konferenzraum die „Form“ nicht der „Funktion“ unterordnet, leidet die Audioqualität.

Britische Architekten werden oft zu den besten ihrer Zunft weltweit gezählt. Sie sind bekannt für ihre kreativen Entwürfe, wie beispielsweise den Trend der letzten Jahre, Büros um natürliche Lichtquellen herum zu planen.

Wenn mit viel Glas und anderen reflektierenden Materialien so viel Sonnenlicht wie möglich konzentriert wird, kann dies das Wohlbefinden am Arbeitsplatz steigern. Wenn allerdings die „Form“ nicht der „Funktion“ folgt, kann oft selbst die beste AV-Technik einen Konferenzraum nicht vor seiner schlechten Akustik retten.

Oberste Priorität für AV

Shure hat mit führenden AV-Integratoren über diese Herausforderung gesprochen: Heraus kam, dass die Berücksichtigung der AV-Technik in Objekt-Projektplänen deutlich früher erfolgen sollte, bestenfalls bereits in der Phase der konzeptionellen Gestaltung und Planung von Büroflächen.

„Bei einigen Projekten war die akustische Umgebung eine ziemliche Herausforderung“, so Dave Grimwood, Pre-Sales Team Leader bei dem internationalen AV-Unternehmen Electrosonic. „Wir sehen dies oft bei Neubauten - sie bestehen aus sehr viel Glas und offenen Flächen, was gut aussieht, aber auch negative Auswirkungen auf das Erreichen erstklassiger Audioqualität hat.“ Zwar könne AV-Technik dazu beitragen, die Akustik zu verbessern, sie könne aber nicht das ganze Problem lösen, sagt Grimwood und betont: „Firmen geben viel Geld für AV-Technik aus, aber um erfolgreiche Konferenzen abhalten zu können, muss die Sache auch richtig angegangen werden.“

Schlechter Klang in Boardrooms und Besprechungsräumen sei zu einem echten Problem geworden, meint Nevil Bounds, Key Account Director beim AV-Integrator Feltech. Schuld daran ist meist die schlechte Raumakustik.

„Oft ist ein AV-Konferenzraum ein netter rechteckiger Raum, der meistens auch noch mit vielen harten Oberflächen versiegelt ist und über furchtbare Nachhallzeiten verfügt,“ sagt er. „Das Bild auf dem Display sieht absolut fantastisch aus, aber der Klang kann schon erbärmlich sein. Dabei spielt es kaum eine Rolle welchen digitalen Signalprozessor oder welche Mikrofone man benutzt - wenn der Raum lange Nachhallzeiten oder Geräusche von Heizung, Ventilatoren oder Klimaanlage aufweist, wird der Klang unbefriedigend sein.“

Stuart Davidson, Technischer Direktor beim globalen AV-Integrator AVMI stimmt dem zu: „Es ist einfach ein grundlegender architektonischer Fehler. Der aktuelle Trend geht hin zu Glasgebäuden und schallharten Büromöbeln – doch weder das eine noch das andere ist für den Ton gut“, sagt Davidson und erklärt, dass AVMI normalerweise erst gegen Ende eines Projektes hinzugezogen wird, wenn die Planung bereits längst abgeschlossen ist. „AV als wesentlichen Bestandteil einer Büroplanung zu akzeptieren und so früh wie möglich zu Beratungszwecken zu involvieren, wäre hilfreich.“

Hochwertiges Audio erreichen

Auch der Shure UK Regional Sales Manager John Ellis glaubt, dass die AV-Planung früher einsetzen sollte: „Guter Klang bei Konferenzen und Besprechungen fängt bereits bei der architektonischen Konzeption eines Büros an. Einige Firmen nehmen dies mittlerweile ernst und beauftragen Akustikfachleute und Architekten, die Hand in Hand arbeiten. Dennoch gibt es immer noch viele Unternehmen, für die Style und Optik eines Konferenzraumes eine wichtigere Rolle spielt als die eigentliche Funktion des Raumes.“

Zwar sieht das englische Gleichbehandlungsgesetz (DDA) vor, dass in öffentlichen Gebäuden Induktionsschleifen für Hörgeschädigte installiert werden müssen, es fehlen jedoch Regelungen, die das Einhalten gewisser Parameter bei der Raumakustik einfordern. Lediglich neu gebaute Klassenräume in Schulen müssen bestimmte akustische Vorgaben erfüllen, um den Kindern eine angenehme Hörumgebung zu bieten.

„Aufklärung ist entscheidend für die Weiterentwicklung von AV in Büroumgebungen“, sagt Ellis. „Wir haben gute Verbindungen zum AV-Team des „Royal Institute of British Architects“ und es entstehen weitere Initiativen, die Architekten helfen sollen, AV-Raumakustik besser zu verstehen.“

Beispielsweise sollten Architekten, die Konferenzbereiche in Büroumgebungen entwerfen, Wände nicht planparallel anordnen, Teppichböden in Betracht ziehen und Klimaanlagen in den Decken bestmöglich akustisch dämmen. Es ist auch darauf zu achten, dass möglichst wenig schallharte Oberflächen, gerade auch bei der Möblierung, verwendet werden. Einzelne, von der Decke abgehängte, Diffusoren oder Leuchten mit akustischen Eigenschaften sind ebenfalls hilfreich und können sogar zum eigenständigen architektonischen Feature werden. Effizient sind auch Gardinen und dicke Vorhänge sowie Absorber, die in Form von Anstrichen oder Trockenbaumaßnahmen in das Design eines Konferenzraums eingebracht werden können.

„Oftmals wird davon ausgegangen, dass gerichtete Mikrofone all diese Probleme lösen würden“, sagt Ellis. „Ein gutes Mikrofon mit einer stark gerichteten Aufnahmecharakteristik wird zwar sicher helfen, es wird aber, neben der Sprache, trotzdem immer auch die Störgeräusche im Raum mit aufnehmen. Deshalb können Mikrofone auch in Verbindung mit entsprechenden Audio-Prozessoren das Problem der schlechten Akustik allein nicht lösen.“

Um eine perfekte Kombination von Form und Funktion bei der Planung von Konferenzräumen mit optimaler Audioqualität zu finden, unterstützt Shure seine Kunden, Akustikplaner, Architekten und AV-Consultants mit „best practice“-Tipps.

Über den Autor

Andrew Francis

Andrew Francis ist Senior Applications Engineer bei der Shure UK Systems Group. Er verfügt über jahrzehntelange AV-Erfahrung sowohl im Bereich installierter Systemen als auch bei Live-Events. In dieser Zeit hat er mit zahlreichen Politikern, Wirtschaftsführern und Prominenten zusammengearbeitet, u.a. auch mit Seiner Heiligkeit dem Papst. Zudem war er an der Ausführung von Preisverleihungen, Konferenzen und Gala-Dinners beteiligt. Im Installationsbereich war er drei Jahre lang als technischer Leiter für die Planung und Inbetriebnahme großer AV-Systeme in Unternehmen zuständig. Dabei spezialisierte er sich auf flexible Mehrzweck-Meetingräume.

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