Stuart Stephens,

Akustikbehandlungen in Meetingräumen – Einfacher, als Sie vielleicht denken

Moderne Konferenz- und Meetingräume sind berüchtigt für ihre schlechte Akustik. Jeder bevorzugt helle und offene Räume als Arbeitsplatz. Gleichzeitig müssen diese jedoch auch gut klingen, um eine effektive Zusammenarbeit zu ermöglichen und die Produktivität zu steigern.

Architekten und Raumgestalter kreieren unglaublich inspirierende Arbeitsumgebungen, die jedoch häufig von extrem reflektierenden Materialien, wie Glas und Metall, dominiert werden. Jede Oberfläche, inklusive der Personen, trägt ihren Teil zum gesamten Hallraum bei. Dabei sind Fenster, Trennwände aus Glas, Tische, Computer und Tablets, harte Böden und Decken die Hauptschuldigen, denn sie tragen kaum bis überhaupt nicht zur Absorbierung von Schallwellen bei. AV-Techniker, die versuchen, das Audio-Equipment in einem nicht zu diesem Zweck entworfenen Raum zu optimieren, verzweifeln daher regelmäßig an ihrer Aufgabe.

Während professionelle Recording-Studios problemlos mit Schallwänden, Bassfallen oder Diffusoren optimiert werden können, decken sich diese Lösungen so gut wie nie mit den Ansprüchen eines Architekten oder Raumgestalters. Mittlerweile gibt es jedoch zahlreiche Hersteller, die Schallwände in unterschiedlichen Formen, Größen und Farben anbieten, um selbst strengen optischen Anforderungen zu genügen.

Reflektionen & Hall

Der Klang in einem Raum setzt sich aus Direktschall, Erstreflektionen und Hallfahnen zusammen. Der Direktschall gelangt auf direktem Weg von einem Lautsprecher an das Ohr. Gleichzeitig nehmen die Schallsignale aus einem Lautsprecher jedoch auch komplexe Umwege über Wände, Fenster, Böden, Tische und jede andere Oberfläche in einem Raum, bevor sie beim Hörer ankommen. Jede Reflektion, die das Ohr innerhalb eines Zeitraums von 50 ms nach dem Direktschall erreicht, zählt zu den Erstreflektionen und ist von diesem nahezu nicht zu unterscheiden. Spätere Reflexionen, außerhalb des 50-ms-Fensters, werden dem Hallfeld eines Raumes zugeordnet.

Wenn Sie sich zum Beispiel in einer Videokonferenz befinden und einem externen Teilnehmer über Lautsprecher im vorderen Bereich eines Raums zuhören, hören Sie den Direktschall zuerst, im Anschluss die Erstreflexionen und zum Schluss die Hallfahne. Wenn ein Raum zu stark reflektiert, kann der Pegel der Hallfahne Konsonanten verwischen oder verschlucken, so dass es schwierig wird, die einzelnen Wörter voneinander zu separieren, was zu einer Verringerung der Produktivität des Meetings führt.

boardroom

Flatterechos

Flatterechos sind ein weiteres, allzu bekanntes akustisches Problem in Meetingräumen, das zur Verringerung der Sprachverständlichkeit beiträgt. Flatterechos entstehen, wenn sich zwei reflektierende Oberflächen innerhalb eines Raums parallel zueinander befinden (z.B. Glastrennwände und Fenster) und Schallwellen erzeugen, die zwischen diesen Oberflächen hin- und herspringen. Im Gegensatz zum Hall, werden diese Reflektionen aufgrund ihrer repetitiven Natur selbst unterhalb der 50-ms-Grenze als Flatterechos wahrgenommen.

Stehende Wellen

Flatterechos treten vorrangig bei mittleren bis hohen Frequenzen auf, seltener bei tieffrequenten Schallwellen. Ein verwandtes Problem bilden dafür die stehenden Wellen, die auch als Raummoden bezeichnet werden. Raummoden sind resonante Frequenzen und entstehen auf natürliche Weise in Abhängigkeit der Abmessungen eines Raums. Es gibt drei verschiedene Arten von Raummoden: Axiale zwischen zwei parallelen Oberflächen, tangentiale als Reflexionen zwischen vier Oberflächen und Raummoden, bei denen Schallwellen an allen sechs Oberflächen eines Raums reflektiert wird (Boden, Decke sowie alle vier Wände).

Wir konzentrieren uns in diesem Fall auf axiale Moden, bei denen der Schall direkt auf eine Oberfläche trifft und zurückgeworfen wird. Durch diese Überlagerung von Direktschall und Reflexionen entstehen Pegelspitzen. Die Schallenergie springt zwischen den beiden parallelen Oberflächen hin und her und erzeugt große Pegelanhebungen oder Absenkungen innerhalb des Frequenzgangs des jeweiligen Raums.

Glücklicherweise lassen sich Raummoden anhand der Abmessungen eines Raums präzise errechnen und vorhersagen, bei welchen Frequenzen stehende Wellen zu erwarten sind. Dabei ist es wichtig, zu wissen, dass zusätzliche stehende Wellen beim Vielfachen (zweite, dritte Harmonische usw.) der Basiswelle entstehen.

Behandlung reflektierender Räume

Wenn wir über Raumbehandlungen sprechen, müssen wir sowohl absorbierende als auch diffundierende Maßnahmen betrachten.

Absorption reduziert die Schallenergie, die von einer Oberfläche in einem Raum reflektiert wird, durch den Einsatz bestimmter Materialien, durch die sich die Schallwelle bewegt. Auf diese Weise hilft Absorption dabei, das Hallfeld eines Raums zu reduzieren und die Auswirkungen von Flatterechos und stehenden Wellen zu minimieren. Absorber basieren üblicherweise auf besonders dichtem Schaum oder Fiberglas und werden in unterschiedlichsten Formen, Größen und Farben angeboten.

Es gibt keine Regeln, wie viel Absorption für einen Raum optimal ist. Es gilt jedoch: Je stärker die Absorption, desto geringer der Hallanteil. Jeder von uns ist so gut wie permanent von einer bestimmten Menge an Hall umgeben. Würde man sämtlichen Hallanteil entfernen, klänge ein Raum vollkommen unnatürlich und „tot“.

Die begrenzenden Faktoren bei der akustischen Behandlung eines Raums mit absorbierenden Materialien sind üblicherweise Platz und Budget. Als guter Ausgangspunkt, um den Nachhall eines Raums in den Griff zu bekommen, kann jedoch gelten, circa 20 Prozent der Oberflächen eines Raums absorbierend zu gestalten. Falls die Wände aus unterschiedlichen Gründen nicht verwendet werden können, bieten sich akustische Deckenplatten an, um die Absorption in einem Raum zu unterstützen. Auch eine herabhängende bzw. zweite Decke, die nicht entsprechend behandelt wurde, kann als zusätzliche Quelle störender Schallreflexion dienen.

Obwohl Diffusoren eher selten in Konferenzräumen anzutreffen sind, gehören diese in Auditorien zur Standardausstattung, um Flatterechos zu minimieren und die Akustik des Raums trotzdem lebendig zu belassen. Wie bereits erwähnt, führt zu viel Absorption häufig zu akustisch „toten“ Räumen ohne bzw. mit einem extrem gedämpften Hallfeld. In einigen Fällen kann es sinnvoller sein, die akustische Qualität des Hallfelds zu nutzen und sich stattdessen nur auf spezifische Probleme, wie Flatterechos, zu konzentrieren. Diffusoren bekämpfen Flatterechos, indem sie die ursprüngliche Schallwelle beim Auftreffen auf eine Oberfläche gleichmäßig streuen, so dass die Schallanteile in unterschiedliche Richtungen reflektiert werden und ein diffuses Klangbild mit einem gleichmäßigen Frequenzgang erzeugen.

Ganz gleich, ob Sie akustische Probleme in einem Raum mittels Absorption oder Diffusion angehen – wichtig ist es, dass die gewählten Lösungen das ursprüngliche Design des Raums so wenig wie möglich beeinflussen und den Kunden optisch überzeugen.

Gute Nachrichten

Die gute Nachricht lautet: Es gibt Mittel und Wege, die Raumakustik eines offenen und transparent designten Raums zu behandeln, ohne ihn mit allzu aufdringlichen Akustikmaterialien optisch zu ruinieren. Produkte wie die Akustikpanels lassen sich von der Decke herabhängen und wirken viel diskreter als an den Wänden montierte Panels.

Die meisten Akustikpanels sind farblich personalisierbar und als Decken- oder Wandpanels erhältlich, ermöglichen eine Absorption ohne ästhetische Auswirkungen, reduzieren den Hallanteil und führen so zu einer effektiven Verbesserung der Sprachverständlichkeit in Meetingräumen, Konferenzzentren, Bildungseinrichtungen, Eventlocations und mehr.

Über den Autor

Stuart Stephens

Stuart Stephens ist Product Management Specialist bei Shure EMEA mit Erfahrung im technischen Vertrieb und Application Support. Er ist kompetenter Trainer für kabelgebundene und drahtlose Shure-Mikrofontechnik und Audio- Networking-Seminare.