Software und digitale Nachbearbeitung

Bei Homerecording und Podcasting geht die eigentliche Arbeit nach erfolgter Aufnahme erst richtig los. Jetzt steht die Nachbearbeitung der Daten auf dem Programm – in professionellen Kreisen Post-Production genannt. In diesem Kapitel sollen kurz die Software-Möglichkeiten aufgezeigt werden, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. 

Software

Es gibt zwei Arten Software für die Post-Production von Audiosignalen am Rechner: Software, die nur eine Spur bearbeiten kann, oder Programme, die mehrere Spuren editieren können. Bei einem reinen Sprach-Podcast mag eine Einspur-Software völlig ausreichen, aber soll beispielsweise Musik im Hintergrund hinzugefügt werden, muss eine Mehrspur-Software verwendet werden.

Auch bei Video-Produktionen, bei denen Voice-Overs oder Hintergrundmusik das Original-Audiosignal begleiten, muss die Software Mehrspur-Optionen aufweisen. Die üblichen Verdächtigen für Mehrspur-Aufnahmen sind unter anderem Steinberg Cubase und Emagic Logic. Auf der PC-Plattform ist Cubase weit verbreitet, wohingegen Mac-User eher zu Logic greifen. Von beiden Programmen gibt es auch Einstiegsversionen, die recht kostengünstig sind.

Wer (vorerst) kein Geld ausgeben will, der kann sich mit Free- oder Shareware, z. B. Audacity, behelfen. Die Aufgabe der Mehrspur-Software ist es, die einzelnen Signale zu einem Stereo- Mix zu verbinden. Doch ein einfaches Mischen und Anpassen der Lautstärke wird in den seltensten Fällen zu einem gut klingenden Ergebnis führen. Hier muss zunächst einiges in die Signalverarbeitung investiert werden. Dies erfordert eine gewisse Erfahrung und kann im Rahmen dieses Guides nur kurz angerissen werden.

Effects Processing

Es gibt eine Vielzahl an Effekten, im Folgenden werden die drei wichtigsten kurz erläutert. Den größten Einfluss auf den Klang hat sicherlich der Equalizer (EQ). Mit dem Equalizer können bestimmte Frequenzen oder Frequenzbereiche in ihrem Pegel angehoben oder abgesenkt werden. So kann man bei einer Bass-Drum die Frequenzen oberhalb von 6 kHz getrost weg nehmen und Frequenzen um die 80 HZ etwas anheben, um mehr Druck zu erzeugen.

Der richtige Einsatz eines EQ setzt ein gutes Gehör und Klanggefühl voraus. Hebt man beispielsweise beim Gesamtmix einer Band die tiefen und hohen Frequenzen an, geht die Stimme unter, obwohl sie im Vordergrund stehen sollte. Eine Anhebung der Mitten um 1 bis 3 kHz kann da bereits Abhilfe schaffen.

Ein Kompressor hilft, Pegelunterschiede auszugleichen. Er hebt leise Signale an und senkt laute ab, wodurch eine in etwa gleichbleibende Lautstärke möglich ist. Soll ein Sänger, der seine Ballade leise und gefühlvoll einsingt, im Bandmix nach vorne geholt werden, ist das ein klarer Fall für den Kompressor. Hall. Da wir es als sehr unnatürlich empfinden, ein Schall-Signal ohne Hall zu hören, ist dies ein enorm wichtiger Effekt. Der Hall reichert das Signal an, macht es weicher und fülliger, allerdings auch etwas verwaschener.

Ein Hall wird ausnahmslos auf die Stimme gelegt. Damit klingt die Stimme viel voluminöser und reichhaltiger. Bei zu viel Hall geht die Stimme im Bandmix allerdings unter, daher sollte man hier ein gesundes Mittelmaß anstreben. Auch Instrumente wie Gitarren, Streicher oder Piano klingen mit etwas Hall fülliger und natürlicher. Bei impulsiven Instrumenten wie Schlagzeug oder Bass sollte hingegen auf Hall verzichtet werden – die Impulse werden dadurch verschwommen.

Es gibt unzählige Software-Versionen und Plug-Ins, die das Signal mit Hall anreichern. Hier haben sich in letzter Zeit Lösungen etabliert, die verschiedene Räume komplett emulieren. Diese sind sehr rechenintensiv und nur auf entsprechenden Computern sinnvoll einsetzbar, liefern aber das mit Abstand natürlichste Ergebnis.

Format

Der Abschluss einer Homerecording-Produktion ist der Mixdown, bei dem alle Spuren zu einem Stereosignal zusammengemischt werden. Doch in welchem Format speichert man das fertige Produkt nun am besten ab? Bei einer CD-Produktion ist man auf das klassische CD-Format beschränkt: ein unkompliziertes WAV-File mit 16 Bit und 44,1 kHz.

Am besten, man stellt hierfür die Abtastrate der fertigen Produktion bereits bei der Aufnahme entsprechend ein. Nimmt man beispielsweise mit 48 kHz auf und rechnet das Signal am Ende auf 44,1 kHz um, kann dies zu unerwünschten Artefakten führen. Eine höhere Bit-Rate ist weniger problematisch. Werden viele Bearbeitungsschritte während der Nachbearbeitung durchgeführt, macht es durchaus Sinn, mit 24 Bit aufzunehmen und beim Mixdown in 16 Bit zu wandeln. Sind die Daten für die Verwendung im Internet oder für einen MP3-Player gedacht bietet sich eine Komprimierung an.

Ziel der Komprimierung ist es, die Daten zu reduzieren, ohne das Ergebnis hörbar zu beeinflussen. Dabei hat sich das MP3-Format durchgesetzt. Im Allgemeinen wird ein MP3-File mit 128 kB pro Sekunde mit dem originalen CD-Signal gleichgesetzt. Kritische Ohren hören hier allerdings einen Unterschied, was man mit einer MP3-Konvertierung mit 196 kB pro Sekunde reduzieren kann. MP3 ist bei weitem nicht das einzige Komprimierungs-Format – sondern lediglich das verbreiteteste. Weitere Formate sind z. B. wma (Windows), AAC (Apple) und das freie Ogg Vorbis. Die verschiedenen Kompressionsarten haben eine Gemeinsamkeit: Je mehr komprimiert wird, desto ausgeprägter sind die Artefakte.

Da die Internet-Bandbreite immer schneller und der Festplattenplatz immer günstiger angeboten wird, bieten sich auch verlustfreie Komprimierungen an, wie z. B. das freie FLAC-Format. Die Daten werden ohne Verluste komprimiert und können als Original-Signal wiedergegeben werden. Generell empfiehlt es sich immer, die Original-Datei in einem unkomprimierten WAV-File zu speichern. So erhält man die beste Qualität und kann das WAV jederzeit in unterschiedlichste Formate konvertieren.

 

 


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