Bei der Abnahme der Streicher ist die unterschieldiche Musikrichtung interessant. Eine klassische Produktion hat zum Ziel das Instrument natürlich und neutral abzubilden. Im Pop/Rock Bereich wird eher ein druckvoller Sound angestrebt.
Streicher-Mikrofonierung
Klassik
Starten wir mit der Mikrofonierung im klassischen Bereich. Sowohl auf der Live-Bühne als auch im Studio sollte bei der Abnahme von Geigen generell ein Kondensatormikrofon verwendet werden. Ein Kleinmembran-Mikrofon (KM) liefert einen neutraleren, ein Großmembran-Mikrofon (GM) einen etwas fülligeren Klang.
Die klassische Positionierung des Mikrofons ist 1 – 1,5 m von schräg oben (quasi senkrecht zur Oberflache der Geige). An dieser Position wird ein sehr ausgewogenes Klangbild erzielt, doch durch den großen Abstand werden auch viele Raumeigenschaften mit in den Klang aufgenommen. Es ist also wichtig, einen guten Aufnahme-Raum zu wählen und ein Mikrofon mit Nierencharakteristik zu verwenden.
Wird das Mikrofon naher an der Geige platziert, werden (eventuell schlechte) Raumeigenschaften minimiert und Rückkopplungen im Live-Betrieb reduziert – allerdings wird der Klang der Geige auch unausgewogener, und die Bewegungen des Spielers wirken sich wesentlich stärker auf den Klang aus.
Auch wenn ein Cello von Natur aus wesentlich tiefere Klanganteile besitzt, sollte aufgrund der Obertöne auch hier zu einem Kondensatormikrofon gegriffen werden. Auch hier gilt: KM klingt neutraler und GM fülliger. Um ein ausgewogenes Ergebnis zu bekommen, wird das Mikrofon etwa einen Meter vor dem Cello platziert. Die unteren Mitten werden allerdings mehr nach hinten abgestrahlt. Um diesen Frequenzanteil stärker einzufangen, kann man zu einem zweiten Mikrofon greifen, das schräg von hinten positioniert wird.
Um ein wärmeres Klangbild zu bekommen und die Bässe stärker zu betonen, können auch zusätzliche Grenzflächen-Mikrofone (Beta 91) auf dem Boden vor dem Cello platziert werden. Diese liefern einen basslastigen Anteil und können dem ersten Mikrofon zugemischt werden.
Zur Abnahme eines Kontrabasses können auch dynamische Mikrofone ein sehr schönes Ergebnis liefern. Transparenter und originalgetreuer wird es selbstverständlich bei der Verwendung eines (KM-) Kondensatormikrofons. Die geeignete Platzierung ist hier etwa 50 cm vor dem Kontrabass. Ein Geheimtipp für die Mikrofonierung ist das dynamische Studiomikrofon Shure SM7B.
Pop/Rock
Im Pop-/Rock-Bereich hat eine ausgewogene und originalgetreue Klangreproduktion sicherlich selten die oberste Prioritat. Hier darf deshalb gerne mehr experimentiert werden. Das Mikrofon darf auch gerne mal 30 cm vor der Geige platziert werden. Der Nachteil daran ist, dass die Bewegungen des Musikers dadurch hörbar werden. Eine Abhilfe bieten Ansteckmikrofone, die an den Steg geklemmt werden können. Hierbei werden einfach Lavalier-Mikrofone zweckentfremdet, die sehr gute Ergebnisse erzielen. Zu erwähnen wäre hier das Shure WL50. Der Vorteil dieser Mikrofonierung ist die Beweglichkeit des Musikers (auch für drahtlose Anwendung geeignet) und die reduzierte Rückkoppelanfälligkeit aufgrund des geringen Abstands zur Klangquelle.