Wenn ein Toningenieur an „Mikrofonierung“ denkt, dann kommen ihm Abnahmen von Gitarren, Schlagzeug oder anderen Instrumenten in den Sinn. Aber an eine „Sprachabnahme“ wird selten gedacht. Dabei ist die Sprache das „Instrument“, das jeder Zuhörer kritisch hört. Stimmt die „Sprachabnahme“ nicht, so fällt dies selbst Laien recht schnell auf. Also sollte gerade in dieser Disziplin genau gearbeitet werden.
Ungeübte Sprecher
Ungeübte Sprecher mit einem Handmikrofon sind sicherlich die „schwierigsten“ Fälle. Denn auch wenn der Toningenieur alles richtig macht, so stecken die Fehler in der „Bedienung“.
Der von allen Toningenieuren gefürchtete Extremfall sind Sprecher, die das Mikrofon viel zu tief halten. Es kommt dadurch so wenig Pegel in das Mikrofon, dass das Gain derart hochgezogen werden muss, dass im besten Fall das Signal mit starkem Rauschen und Umgebungsgeräuschen behaftet ist oder aber gleich die Rückkoppelgrenze überschritten wird. Hier hilft es nur, den Sprecher immer wieder dazu aufzufordern, das Mikrofon so nahe an den Mund wie möglich zu halten.
Um dieses Problem zu vermeiden, bieten sich Lavalier-Mikrofone an. Natürlich wirkt sich auch hier die Platzierung der Mikrofonkapsel stark auf die Klangqualität aus: je näher es an den Mund platziert wird, desto sauberer wird das Ergebnis. Wandert das Mikrofon zu weit unter das Kinn, so werden die Höhen abgedämpft. Dagegen sollte der EQ – oder eventuell eine vorhandene Entzerrungskappe für das spezielle Mikrofon eingesetzt werden. Wichtig ist natürlich auch die Richtcharakteristik des Lavalier-Mikrofons.
Richtcharakteristik
Ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik bietet naturgemäß den neutralsten Klang, sollte aber ein Monitor vorhanden sein – oder eine starke PA, dann läuft man Gefahr eine Rückkopplung zu erzeugen. Ebenso werden in einer lauten Umgebung zu viele Umgebungsgeräusche mit aufgenommen. Deshalb bietet sich auch als Lavalier-Mikrofon eine Nieren- oder gar Supernierencharakteristik an. Dabei ist dann natürlich die Ausrichtung des Mikrofons relevant. Bei einer Kugelcharakteristik kann das Mikrofon zwar auch nach „unten“ hängen, ein gerichtetes Mikrofon dagegen muss in Richtung Mund zeigen. Bewegt sich der Sprecher viel hin und her – insbesondere bei einer Leinwand-Präsentation – so kommt es häufig vor, dass sich der Kopf vom Mikrofon wegdreht, was zu starken Lautstärkeschwankungen führt.
Headsets
Dafür ist der Einsatz von Headsets bestens geeignet. Egal wie stark sich die Person bewegt, das Mikrofon bleibt an seiner Stelle. Bei Headsets wirkt sich die Richtcharakteristik extrem auf den Klang aus. Die Kugelcharakteristik ist sehr gutmütig und liefert den natürlichsten Klang. Atemgeräusche sowie die genaue Platzierung sind unkritisch.
Anders sieht es bei gerichteten Headsets aus. Diese nehmen sehr schnell Windgeräusche auf. Ein Windschutz ist deshalb unerlässlich. Die Positionierung wirkt sich extrem auf den Klang aus. Ein gerichtetes Mikrofon sollte nie vor dem Mund platziert werden, da dies zu sehr starken Pop-Effekten führt. Die optimale Platzierung ist der Mundwinkel.
Generell kann man aber bei einem Einsatz von einem Kugel-Headset für die Sprachabnahme davon ausgehen, dass durch die extreme Nähe zum Mund und eine moderate Lautstärke, Rückkopplungen ausbleiben.
Schwanenhalsmikrofone und Grenzflächenmikrofone
Für die Mikrofonierung an einem Rednerpult oder in Konferenzräumen eignen sich Schwanenhalsmikrofone hervorragend. Durch den Schwanenhals kann die Mikrofonkapsel recht nahe an den Mund gebracht werden. Standardmäßig sollte hier eine Nierencharakteristik zum Einsatz kommen. Eine Kugel nimmt zu viele Umgebungsgeräusche mit auf und eine Superniere liefert schnell Pegelschwankungen wenn der Redner sich quer zu Kapsel bewegt.
Stört der Schwanenhals die Optik werden gerne Grenzflächen-Mikrofone eingesetzt. Dadurch nimmt allerdings der Abstand Mund-Mikrofon kräftig zu, was zu mehr Umgebungsgeräuschen und höherer Rückkoppelgefahr führt. In „trockenen“ Räumen und leiser bzw. nicht vorhandener PA (beispielsweise Videokonferenz) spielen die Grenzflächen-Mikrofone ihr ganzes Können aus und liefern einen sauberen Klang (der Kammfiltereffekt, der beim Einsatz von Schwanenhals-Mikrofonen durch Reflexionen durch den Tisch entsteht, wird vermieden).
Aber auch bei diesen fest montierten Schwanenhals und Grenzflächen-Mikrofonen ist wieder zu beachten, dass ungeübte Sprecher dem Toningenieur das Leben schwer machen können, indem sie sich vor und zurück bewegen. Das eine Extrem ist, dass der Sprecher quasi das Mikrofon „essen“ will. Dies führt bei den meisten Schwanenhalsmikrofonen zur starken Übersteuerung. Das andere Extrem ist ein sich bequem zurücklehnender Sprecher, der dadurch einen zu großen Abstand hält.
Diese beiden Extreme können durch das Einschleifen eines (digitalen) AGC (Automatic Gain Control) vermindert werden, so dass auch bei sich vor und zurücklehnenden Sprechern ein etwa gleich lautes Signal geliefert wird (z. B. DFR22).
Einsatz von mehreren Mikrofonen gleichzeitig
Eine häufige Fehlerquelle bei der Mikrofonierung an einem Rednerpult ist der Einsatz von zwei Mikrofonen. Generell gilt dass nur ein Mikrofon pro Schallsignal/Sprecher verwendet werden sollte. Ein zweites Mikrofon dient lediglich zu Backup-Zwecken. Wird beispielsweise bei einem Rednerpult mit zwei Mikrofonen gearbeitet (was auch ein fest installiertes und ein weiteres Lavialier-Mikrofon sein kann), so führt dies wiederum zu einem Kammfiltereffekt, was nicht unbedingt sogleich klanglich negativ auffällt – aber dennoch die Sprachverständlichkeit reduziert. Ein Automatik-Mischer liefert hier eine ideale Lösung(beispielsweise SCM410).
Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass eigentlich alle Ansteck-, Headset-, Schwanenhals- und Grenzflächen-Mikrofone mit Kondensatorkapseln gebaut werden. Es muss also darauf geachtet werden, dass Phantomspannung (bei drahtgebundener Anwendung) bzw. eine Drahtlosstrecke zur Verfügung steht.
| TIPP: Bestmögliche Sprachverständlichkeit |
| Bei allen Sprachanwendungen muss nicht unbedingt von einer naturgetreuen Wiedergabe der Stimme ausgegangen werden, sondern das wichtigste Ziel ist eine bestmögliche Sprachverständlichkeit. Dabei hilft ein EQ der bei ca. 2 – 4 kHz etwas angehoben wird. Dies steigert die Sprachverständlichkeit ohne das Signal an sich lauter zu machen. Tiefen verleihen der Stimme zwar eine angenehm warmen Klang – „matschen“ aber wieder etwas zu. Hier kann ebenfalls beherzt der EQ eingesetzt werden. Späte Reflexionen und Hall (die insbesondere in größeren Räumen auftreten) wirken sich negativ auf die Sprachverständlichkeit aus. Deshalb sollte ein halliger Raum mit Schallabsorbern gedämpft werden. |
Empfohlene Mikrofone für Sprachanwendungen:
Empfehlungen für Handmikrofone, Lavialier-Mikrofone und Headsets findest du in der rechten Spalte dieser Seite