Klavier-Mikrofonierung

Die Abnahme eines Klaviers ist die Königsdisziplin der Mikrofonierung. Auf der einen Seite, da das Klavier akustisch gesehen das umfangreichste Instrument ist. Es hat einen sehr weiten Frequenzumfang (Saiten-Resonanz-Frequenzen 27,5 - 4200 Hz; mit Oberwellen bis hin zu 12 kHz) und auch einen extrem weiten Dynamik-Umfang. Auf der anderen Seite, da es zahlreiche unterschiedliche Platzierungsmöglichkeiten der Mikrofone gibt.

Es sind bereits unzählige Artikel und Bücher erschienen die sich mit der Mikrofonierung eine Flügels beschäftigen und es gibt ebenso viele verschiedene Ansätze, so dass im Rahmen dieser kleinen Einführung dieser Bereich nur gestreift werden und auf die wichtigsten Grundlagen kurz eingegangen werden kann. Das einzige was bei allen Arten der verschiedenen Pianoabnahmen eine Konstante darstellt ist der Typ des Mikrofons.

Es handelt sich dabei in den meisten Fällen um Kleinmembran (KM) Kondensator-Mikrofone und immer um zwei Mikrofone um ein Stereo-Bild zu erhalten. Die tieferen Frequenzen werden standardmäßig nach links gebracht und die hohen dementsprechend nach rechts (so wie der Pianist es hören würde). Ansonsten kommt es auf die Art der Abnahme (Recording oder Live) und natürlich die Musikrichtung an.

Live-Abnahme

Flügel Nahabnahme
Flügel Nahabnahme



Für eine Live-Abnahme, bei der stets die Gefahr der Rückkopplung besteht, muss man die Mikrofone (in diesem Fall sollten auf jeden Fall Nierencharakteristiken oder sogar Supernierencharakteristiken verwendet werden) im Flügel positionieren. Dabei wird ein Mikrofon in Richtung der tiefen Saiten gerichtet, das zweite in Richtung der hohen Saiten.

Es sollte auf genügend Abstand zu der Hammermechanik geachtet werden, da diese meist störende Geräusche erzeugt. Der Flügeldeckel sollte, um Nebengeräusche der Bühne bzw. auch Ruckkopplungen zu vermeiden, weitgehend geschlossen sein (auch wenn der Klang darunter leidet). Hierfür eignen sich auch besonders Grenzflächen-Mikrofone (z. B. Beta 91A), die in den Flügel hineingelegt werden können – oder an den Deckel geklebt werden (Vorsicht: Klebeband verwenden das sich rückstandslos beseitigen lässt).

Abnahme im Studio

Im Studio, wo keine störenden Nebengeräusche auftreten und keine Rückkopplungsgefahr besteht, kann man sich ganz auf den perfekten Klang konzentrieren. Der Flügeldeckel sollte deshalb stets offen sein, was generell zu dem besten Klangergebnis führt. Die Mikrofonwahl kann hier auch gerne mal von der Standard-Niere abweichen und es können Kugel-Mikrofone, die von Natur aus natürlicher klingen, verwendet werden.

Flügel XY-Abnahme
Flügel XY-Abnahme



Maßgeblich für die Platzierung der Mikrofone ist der Musikstil. Im Pop/Rock-Bereich ist ein brillanter, klarer und obertonreicher Klang gewünscht, wohingegen im Jazz und Klassikbereich ein eher warmer und dunklerer Klang als passend empfunden wird.

Rock/Pop-Aufnahmen: Gerne wird hier eine sogenannte XY-Stereophonie genutzt. Das Mikrofonpärchen wird ca. 30 – 60 cm oberhalb der Saiten aufgestellt. Eines zeigt zu den tiefen Saiten, das zweite wiederum zu den hohen Saiten. Je näher das Pärchen zu der Hammer-Mechanik wandert, desto brillanter klingt der Flügel. Leider werden damit auch vermehrt Mechanikgeräusche der Hammer und Pedale mitaufgezeichnet. Hier muss ein vernünftiger Kompromiss eingegangen werden.

Flügel AB-Abnahme
Flügel AB-Abnahme



Bei der Jazz- und Klassikproduktion nutzt man gerne die AB-Stereophonie. Um den dunkleren Klang des Flügels aufzuzeichnen werden die Mikrofone weiter vom Instrument entfernt platziert; bis hin zu einigen Metern. Dadurch erzielt man einen natürlicheren Klang, so wie der Zuhörer in der ersten Reihe eines Konzertes den Flügel wahrnehmen würde.

Die klassische Klein-AB (Mikrofone ca. 30 cm auseinander) kann hier durchaus aufgelöst werden. Beispielsweise ist es auch üblich eines der Mikrofone unterhalb des Flügels zu positionieren. Generell sollte man bei der Platzierung der Mikrofone in Deckel-Nähe auf den Kammfilter-Effekt achten. Gelangt das reflektierte Signal stark in die Mikrofone, kommt es zu einem unnatürlichen Klang. Um diesen kammfiltereffekt zu vermeiden wird auch hier gerne zu Grenzflächen-Mikrofonen gegriffen. Diese werden dann, wie schon oben erwähnt, an den Flügeldeckel angebracht.

Klavier-Abnahmen sind weitaus weniger variabel. Grundsätzlich öffnet man hierbei den oberen Deckel und richtet von oben zwei Mikrofone in den Korpus.

Praxis-Tipp:

Bei allen Abnahmen ist es wichtig einen „Sweet Spot“ zu suchen. Das Verrücken der Mikrofone um wenige cm kann im Klang vieles bewirken. Und: jeder Flügel ist anders und hat demzufolge andere „Sweet Spots“.

 

 


Vergleich der 57er-Mikrofone

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