Drum-Mikrofonierung

Das Instrument mit der aufwändigsten Mikrofonierung ist das Schlagzeug. Denn eigentlich verbergen sich dahinter eine ganze Anzahl unterschiedlicher Instrumente. Bei der Positionierung muss man neben der Suche des „Sweet Spots“ auch darauf achten, dass die benachbarten Instrumente (Kessel) möglichst wenig mit abgenommen werden. Deshalb sind im allgemeinen Mikrofone mit Supernierencharakteristik für diese Arbeit prädestiniert.

Bassdrum

Die Basis, schon aufgrund der tiefen Frequenzen, bildet die Bassdrum. Die klassische Positionierung des Mikrofons ist im Kessel am Schlagfell. Dazu wird das Mikrofon durch ein Loch im Resonanzfell mittels eines kleinen Statives angebracht. Je näher das Mikrofon an das Schlagfell wandert, desto mehr „Kick-Sound“ wird aufgenommen. Je weiter entfernt es positioniert wird desto mehr Anteil vom Kessel – also mehr „Wumms“ – wird mit aufgenommen.

Wandert das Mikrofon von der Mitte des Schlagfells näher an den Rand, desto dünner, aber auch differenzierter wird der Klang. Der große Vorteil bei dieser Mikrofonierung ist, dass das Mikrofon samt Stativ dem Schlagzeuger nicht im Weg steht. So kann durch Austesten und Vergleichhören eine optimale Position gefunden werden.

Es eignen sich spezielle Bassdrum Mikrofone wie das Beta 52A die aufgrund der großen Baugröße speziell auf tiefe Frequenzen abgestimmt sind. Frequenzen über ca. 5 kHz werden stark beschnitten. Eine Alternative bietet ein Grenzflächenmikrofon (Beta 91A). Der physikalische Vorteil einer Grenzfläche wirkt sich zwar bei einer Bass-Drum nicht aus, aber die Platzierung der Grenzfläche ist denkbar einfach. Das Mikrofon wird einfach auf den Teppich (der sowieso in keiner Bassdrum zur Dämpfung fehlen sollte) gelegt und somit bleibt einem der aufwändige Aufbau mit einem Stativ erspart. Dabei ist man aber nun bei der Platzierung etwas eingeschränkt. Dennoch gilt: je näher am Schlagfell, desto knackiger der Sound.

 

Praxis-Tipp:
Grenzflächen sind meist mit Kondensatorkapseln bestückt und weisen daher fast immer einen linearen Frequenzgang auf. Bei gut gestimmten Bass-Drums mag das wunderbar funktionieren – aber erfahrungsgemäß ist der Einsatz des EQs notwendig um einen typischen Bass-Drum-Sound zu erzielen.
Vorteil der Kondenstatorkapsel ist allerdings, dass ein sehr impulsiver Klang erzielt werden kann. Gerade bei Studio- Aufnahmen wird die Bass-Drum auch gerne mit der Kombination von beiden Typen abgenommen. Mit dem dynamischen Bass-Drum Mikrofon erzielt man den „Punch“ und mit der Kondensator- Kapsel den „Kick“.

Snare

Weiter geht es zur Snare. Die klassische Abnahme ist mit einem dynamischen Mikrofon von oben, und zwar am Rand etwa 2 – 5 cm oberhalb des Fells. Bei der Platzierung sollte man auch darauf achten, dass bei einem Supernieren-Mikrofon die Hi-Hat nicht von hinten in das Snare-Mikrofon tönt. Um mehr Teppichanteil zu bekommen kann ein zweites Mikrofon von unten aufgestellt werden. Dies kann leicht dazu gemischt werden. Ob es einer Phasenumkehr bedarf, muss im speziellen ausprobiert werden, denn dies führt nicht immer zu einem besseren Klangergebnis.

Toms

Bei den Toms sind sowohl dynamische, als auch Kondensator- Mikrofone üblich. Der Vorteil der kleinen Kondensator-Mikrofone ist, dass sie als Schwanenhals-Variante direkt an den Tom-Rim angebracht werden können und das aufwändige Aufstellen eines Statives entfällt. Klanglicher Vorteil der Kondensator-Kapseln ist, dass ein knackigerer Klang abgenommen werden kann. Aber auch hier gilt wiederum, dass ohne gut gestimmte Toms der Einsatz eines EQ meist unerlässlich ist.

Overheads

Overhead-Mikrofone werden üblicherweise immer im Paar angewendet. Nicht unbedingt nur um Stereo-Panning zu erlauben, sondern auch um die Vielzahl der Becken mit ausgeglichener Lautstärke abzugreifen. Aufgrund der sehr hohen Frequenzen von Becken sollten Kondensator-Mikrofone verwendet werden. Diese werden über den Becken nach unten gerichtet aufgestellt. Je näher sie an die Becken kommen, desto mehr wird der Rest des Schlagzeug-Sets ausgeblendet.

Praxis-Tipp:
Für kleinere Gigs reicht oft eine reduzierte Mikrofonierung. Bassdrum und Snare sind meist notwendig, eventuell auch Hi-Hat und Overhead. Werden die Overhead recht hoch platziert, greifen sie auch das komplette Set ab.

 


Video: Mikrofonierung des Drumsets von Simon Phillips

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Video: Mikrofonierung des Drumsets von Simon Phillips

Drum-Mikrofone

PG56 Schlagzeugmikrofon
PG56
SM57
Beta 52A